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Wie der Telemark nach Engelberg kam...

GABY FABER-ODERMATT

CH-8032 ZüRICH

MlNERVASTRASSR 136

TELEPHON 01 381 73 90

22.April 1999

Telemark-Club

Postfach

6391 Engelberg 

Sehr geehrter Herr Heiz,

Aus den "Engelberger Nachrichten" habe ich entnommen, dass Ihr Club demnächst die GV abhalten wird. Zu diesem Anlass möchte ich Ihnen einiges über die Anfänge des Telemark in Engelberg erzählen.

Die erste Wintersaison in E'berg fand 1906 statt. Allerdings wurde schon vorher Ski gelaufen., aber höchst rudimentär und nur im Schuss.

Ca. 1906 od. 1907 kamen 2 Norweger, Trygvie und Harald Smid, in den Kanton Glarus um dort den Skilauf einzuführen. Sie hörten alsdann von E'berg und kamen per Ski von Glarus in den Kanton Uri und von da im Winter über die Schlossberglücke (Spanortlücke) ins Engelbergertal, also per Telemark die steile und gefährliche Abfahrt in die Herrenrüti hinunter. (vermutlich die einzige Winterüberquerung dieses unwegsamen Gebirgsüberganges !!!).

Es gab in Engelberg nicht nur einige Skifahrer, sondern bereits die ersten Skilehrer: Der Kunstmaler Willy Amrhein, Bergführer Karl Felder, Hotelier Adolf Odermatt und natürlich Fritzekari.(der Bobfahrer). Insbesondere aber huldigten 5 weibliche Teenager diesem neuen Sport, also Marie und Helen Berchtold, Villa Maria, Marie Hug vom Hotel Viktoria, Oliva Odermatt vom Terminus und Lony Sacher, ein Gast ..

Mit dem Eintreffen der beiden Norweger brach das Telemark-Fieber aus. Man fuhr nicht nur von Gerschni hinunter, sondern man machte auch Touren, insbesondere zur Traubodenhütte und die ganz guten Fahrer wagten sich mit Fellen nach Trübsee hinauf und auf den Bitzistock. Die Rohrhalde war ein begehrtes Übungsfeld. Die fleissig benützte Sprungschanze befand sich etwas weiter als die Gerschni-Bahn, d.h. neben dem Eugenisee.

1908 fand. das erste "Grosse Skirennen der Schweiz" auch für Damen (vorher nur für Männer) in Grindelwald statt. Es steht heute noch in den Annalen des SSV geschrieben, dass meine Tante, Oliva Odermatt, die erste Schweizer Skimeisterin war. Beiliegend Photo der Siegesfahrt. also keine Schwünge, nur Schussfahrt! Elegant galt ohne Stöcke!

Meine Mutter, damals Helen Berchtold, wurde zu einer fanatischen Telemarkfahrerin und blieb diesem Hobby bis ins hohe Alter treu. Aus meiner Kindheit erinnere ich mich, dass sie nach jedem Schneefall mit dem 8 Uhr Bähnli nach Gerschni fuhr, um im unberührten Tiefschnee ihre Telemarks am Hegmatthubel hinunterzuziehen. .

Während meiner Schulzeit durfte ich mitgehen und erinnere mich an meine Angst vor dem Hegmatthubel. Meine Mutter lehrte mich eine tiefe Ausfallstellung und ich durfte nicht mit den Stöcken in der Luft herumfuchteln.     Es musste ein klassisch eleganter Schwung sein. Meine Mutter, meine Schwestern und ich machten viele Ski-Touren und fanden dabei heraus, dass der Telemark im tiefen Sulzschnee ein ideales Wendemittel war. Also nicht nur im Tiefschnee.

Nach der Huitfeld-Bindung kam die Attenhofer-Alpina-Bindung verbunden mit der Amstutz-Feder und etwas später die Kandahar-Bindung, wo man zum Laufen über den Trübsee oder zum Telemarkfahren die seitlichen Kabel ausklinken konnte. (Amstutz war Kurdirektor in St.Moritz, aber Engelberger Bürger. Er starb 1998 im Alter von 98 Jahren in Zürich.)

Wie froh war ich um die Lektionen meiner Mutter als ich 1935 das schweiz. Ski-Instruktoren-Brevet erwarb. Die Prüfung fand auf Trübsee statt, und zwar unten am Jochpass an den Steilhängen. die zum See hinunterführen. Nebst vielen andern Schwüngen musste ich 4 gezogene und nachher vier gerissene Telemark machen (und zwischendurch immer wieder im Tiefschnee mit seitlichen Schritten hinauflaufen). Es ist das erste um einzige Mal, dass ich von gerissenen Telemarks hörte, denn der Telemark ist und bleibt ein gezogener Schwung.

Ich bin sehr glücklich, dass es ausgerechnet in Engelberg einen Telemark-Club gibt. Zweck dieses Briefes ist in erster Linie, Ihnen und allen Mitgliedern des Clubs nahe zu bringen, dass der Telemark nicht etwa von Engländern importiert wurde, sondern dass er direkt aus Norwegen kam.

Beiliegend sende ich Ihnen einige Photos, z.B.

  • vom ersten Skikurs auf Gerschni,

  • von den ersten Skilehrern in Engelberg

  • von den 5 Grazien auf Ski,

  • von den Brüdern Trygve und Harald Smith (auf norwegisch Smid)

  • Ein Doppelsprung auf der Schanze,

  • die Siegesfahrt der ersten Schweiz. Skimeisterin Oliva Odermatt

  • Helene Odermatt-Berchtold in der TelemarksteIlung

  • und mangels Skiliften bediente man sich eines Pferdes für eine Fahrt in den Wasserfall oder in den Horbis.

Es sind 9 kostbare Photos und ich bitte Sie, diese nicht zu verlieren. sondern an mich zurückzusenden. Ein Briefumschlag liegt bei.

Gerne wäre ich persönlich an Ihre G.V. gekommen, aber leider habe ich am 1. Mai schon Vormittags eine Wohnungsabnahme von einem Mieter, der auszieht. Ich wünsche Ihnen allen viele vergnügliche Stunden beim Telemarkfahren und wünsche auch gute Schneeverhältnisse dazu. Mit vielen, freundlichen Grüssen

Gaby Faber Odermatt

Ich bin sehr glücklich, dass es ausgerechnet in Engelberg einen Telemark-Club gibt. (Gaby Faber Odermatt 1999)

Wir auch! Der Telemark kam von Norwegen ins Engelbergertal... und er kam über die Schlossberglücke. In einem Brief beschreibt die Engelberger Ski Pionierin Gaby Faber Odermatt die Ankunft des Telemark in Engelberg eindrücklich.

Was sie damals schon vom Telemark wusste:

Meine Mutter lehrte mich eine tiefe Ausfallstellung und ich durfte nicht mit den Stöcken in der Luft herumfuchteln. Es musste ein klassisch eleganter Schwung sein.